#29 - Georgia O’Keeffe: Die moderne, weibliche Seite der amerikanischen Abstraktion
In dieser Folge sprechen Saskia Wolf und Britta Kadolsky über Georgia O’Keeffe als zentrale Figur der modernen, amerikanischen Kunst. Sie ist eine Künstlerin, die früh ihren eigenen Weg ging. Ausgangspunkt ist ihre komplexe Beziehung zu Alfred Stieglitz, der sie über Jahre hinweg intensiv fotografierte und dadurch ihr öffentliches Bild stark prägte. Gleichzeitig wird deutlich, wie sehr O’Keeffe sich davon emanzipierte und eine eigenständige Bildsprache entwickelte.
Im Mittelpunkt stehen ihre Malerei und ihr Stil: stark reduzierte Kompositionen, klare Formen, extreme Vergrösserungen und intensive Farben. Besonders die Blumenbilder zeigen, wie sie Motive isoliert und frontal darstellt, sodass nichts vom Wesentlichen ablenkt. Die oft geäusserte erotische Lesart dieser Werke weist sie konsequent zurück. Für sie geht es ums Sehen, nicht um die Symbolik. Ihre Nähe zur Fotografie, etwa durch Bildausschnitte und Perspektiven, spielt dabei eine wichtige Rolle.
Biografisch geht es von ihrer frühen Entscheidung, Künstlerin zu werden, über das Studium in Chicago und New York bis zu ihrem Durchbruch in den 1910er-Jahren. Trotz erster Erfolge muss sie lange als Kunstlehrerin arbeiten und erlebt mehrere persönliche und künstlerische Krisen. In dieser Zeit verändert sich auch ihr Werk: von frühen abstrakten Arbeiten über Aquarelle hin zur Ölmalerei und zu grossen Formaten. Der Aufenthalt in New Mexico wird zum Wendepunkt. Landschaft, Knochen und Schädel werden zu zentralen Motiven. Diese Bilder wirken klar und ruhig, nicht düster, obwohl sie den Tod thematisieren.
Nach Stieglitz’ Tod zieht O’Keeffe dauerhaft nach New Mexico. Auch im hohen Alter bleibt sie neugierig, reist viel und findet neue Bildthemen, etwa in Wolkenformationen und in den Landschaften Südamerikas. Sie stirbt mit 98 Jahren und hinterlässt ein umfangreiches Œuvre. Ihre Bedeutung reicht über die Kunst hinaus: Sie steht für Unabhängigkeit, Gleichberechtigung und ein selbstbestimmtes Leben. Bis heute gilt sie als wichtige Referenz für nachfolgende Generationen, besonders für Künstlerinnen.
Wir thematisieren ausserdem ihre internationale Rezeption, Ausstellungen in Europa, das Georgia O’Keeffe Museum in Santa Fe sowie aktuelle Projekte zur digitalen Erschließung ihres Werks.
Besprochene Werke:
- Porträt-Fotos von Georgia O’Keeffe von Alfred Stieglitz, Alfred Stieglitz Collection
- Jimson Weed / White Flower No. 1 (1932), externer Blogartikel
- WikiArt: Blumenbilder, Tierschädel-Gemälde (Rinder- und Kuhschädel) etc.
- Landschaften aus New Mexico, Georgia O'Keeffe Museum
- Winter Road I (1963), National Gallery of Art
- Wolken nach ihren Reisen (u. a. Peru), externer Blogartikel
Erwähnte Orte & Projekte:
- Georgia O’Keeffe Museum, Santa Fe
- Ausstellung Fondation Beyeler (2022)
- Digitales Projekt „Access O’Keeffe“ (geplant ab Frühjahr 2026)
Podcastfolgen, auf die wir hinweisen:
- Frauenpower, Folge 6
- Paare in der Kunstgeschichte, Folge 20
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