#33 - Stille in der Kunst: Zwischen Leere, Sehnsucht und Beklemmung
In dieser Folge von KUNST & KNACKIG widmen sich Britta Kadolsky und Saskia Wolf einem ungewöhnlichen Thema: der Stille in der Kunst. Zu Gast ist Michaela Frankenberger, Buchbloggerin, die uns auf dieses Thema gebracht hat. Ausgangspunkt war ein Austausch über das Buch „Vom Glück der Stille" - eine Sammlung von Gedichten und Geschichten. Gemeinsam gehen wir drei der Frage nach, wo und wie Stille in der Kunst, der Musik und im Alltag entsteht und was sie mit uns macht.
Den Auftakt macht der dänische Maler Vilhelm Hammershøi, der fast ausschließlich die stillen Innenräume seiner Kopenhagener Wohnung malte – meist mit der Rückenfigur seiner Frau Ida, in gedämpften Grau-, Weiß- und Beigetönen. Seine Nähe zum Stil von Vermeer, das seitliche Licht, die Reduktion auf Raum statt Dekoration: All das erzeugt eine melancholische Ruhe. Von dort führt unser Gespräch zu Caspar David Friedrichs „Mönch am Meer" in der Berliner Alten Nationalgalerie – ein Bild, das für Michaela und Saskia Sehnsucht, Weite und die Kraft des Alleinseins symbolisiert. Als weiterer Künstler kommt der Schweizer Landschaftsmaler Caspar Wolf ins Spiel. Er ist ein Pionier der Hochgebirgsmalerei und hält als einer der Ersten die Gletscherwelt der Alpen fest – ein Spiel zwischen Stille, Erhabenheit und Gefahr.
Außerdem sprechen wir über Räume der Stille im wörtlichen Sinn: von Andachtsräumen an Flughäfen und im Brandenburger Tor bis hin zu Kirchen und Bibliotheken. Daran schließt Yves Kleins „Le Vide" an – sein leerer, weiß getünchter Raum, den er 1958 in der Pariser Galerie Iris Clert und 1961 im Museum Haus Lange in Krefeld installierte. Saskia bringt dazu Joan Mirós Bild „Landschaft (Leere)" ins Gespräch, eine fast vollständig weiße Leinwand mit nur einem blauen Punkt, die sie im Zentrum Paul Klee in Bern gesehen hat.
Intensiv wird es bei Marina Abramović: Ihre Performance „The Artist is Present" im MoMA 2010, bei der Besucher:innen ihr schweigend gegenübersaßen, wird ebenso besprochen wie ihre Autobiografie „Durch Mauern gehen" und unsere persönlichen Erfahrungen mit stillem Blickkontakt.
Danach wandert unser Gespräch zur Musik: John Cages „4'33'" - eine Komposition ganz ohne gespielten Ton – und die Stille zwischen den Sätzen bei Beethoven, die einem Werk erst seine Wirkung verleiht.
Zum Schluß sprechen wir über unsere persönlichen Bedürfnisse und Erfahrungen mit Stille. Dazu gibt es eine Buchempfehlung von Michaela und Fragen zur Anregung.
Besprochene Werke
- Interieur mit Rückenansicht einer Frau (u.a.), Vilhelm Hammershøi, 1903/04, Randers Kunstmuseum
- Der Mönch am Meer, Caspar David Friedrich, 1808–1810, Alte Nationalgalerie, Berlin
- Gletscherbilder (u.a.), Caspar Wolf, 1774–1779, u.a. Kunstmuseum Basel
- Le Vide (Die Leere), Yves Klein, 1961 Museum Haus Lange, Krefeld
- Landschaft (Leere), Joan Miró, 1968, Zentrum Paul Klee, Bern (Zeitungsartikel dazu)
- The Artist is Present, Marina Abramović, 2010, MoMA, New York
- 4′33″, John Cage, 1952 (Musikstück)
Buchtipps aus der Folge
- „Sie dreht sich um", Angelika Overath
- „Durch Mauern gehen", Marina Abramović
- „Stille", Erling Kagge
(persönliche Empfehlungen, keine Werbung)
Hört rein in die Podcastfolge, in der wir bereits über Marina Abramović gesprochen haben: #26 - Kunst-Highlights 2025: Unser Jahresrückblick
Michaela findest du mit ihren Buchbesprechungen auf Instagram: @michaelafrankenberger
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- Unsere Webseiten: Saskia Wolf (www.arcufo.ch) und Britta Kadolsky (Was kann Kunst)
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Viel Spass beim Zuhören!
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