#34 - Der weibliche Körper in Gefahr: Gewalt gegen Frauen in der Kunst
Triggerwarnung: In dieser Folge sprechen Saskia Wolf und Britta Kadolsky von KUNST & KNACKIG über Darstellungen sexualisierter Gewalt gegen Frauen in der Kunst. Thematisiert werden unter anderem Entführung, Bedrohung, Vergewaltigung und Machtmissbrauch. Wenn du auf diese Inhalte sensibel reagierst, höre die Folge bitte an einem sicheren Ort oder überspringe sie.
Warum greifen wir diese Thematik auf? Bilder mit Szenen sexualisierter Gewalt gehören zu den bekanntesten der Kunstgeschichte. Wir fragen uns: Weshalb werden sie über Jahrhunderte immer wieder gemalt? Hat sich unser Blick auf diese Werke heute verändert?
In dieser Folge betrachten wir berühmte Gemälde der Renaissance und des Barock ebenso wie Arbeiten zeitgenössischer KünstlerInnen. Dabei wird deutlich, wie unterschiedlich dieselben Themen erzählt werden können – und wie sehr sich unser Verständnis von Gewalt, Macht und Verantwortung verändert hat.
Den Auftakt bildet der Raub der Sabinerinnen von Nicolas Poussin. Was über Jahrhunderte als heroische Gründungslegende Roms galt, erscheint heute als Darstellung kollektiver Gewalt gegen Frauen. Das Gemälde zeigt eindrucksvoll, wie sich historische und heutige Perspektiven unterscheiden.
Mit Susanna im Bade begegnen wir einer biblischen Geschichte über Machtmissbrauch und sexuelle Bedrohung. Der Vergleich zwischen Tintorettos Version und Artemisia Gentileschis Interpretation macht sichtbar, wie unterschiedlich männliche und weibliche Künstler dieselbe Szene darstellen. Während Tintoretto den Moment vor der Bedrohung inszeniert, rückt Gentileschi die Angst und das Unbehagen Susannas in den Mittelpunkt.
Auch die griechische Mythologie wird kritisch betrachtet. Am Beispiel von Leda und dem Schwan zeigt sich, wie Geschichten von Zeus' Übergriffen in der Kunst häufig als verführerische Liebesszenen dargestellt wurden. Die Frage, wo Verführung endet und Gewalt beginnt, erhält aus heutiger Sicht eine neue Bedeutung.
Den historischen Werken stellen wir Positionen der Gegenwartskunst gegenüber. Marina Abramovićs Performance Rhythm 0 und Yoko Onos Cut Piece machen sichtbar, wie schnell Menschen bereit sind, persönliche Grenzen zu überschreiten, wenn ihnen die Verantwortung übertragen wird. Beide Künstlerinnen nutzen ihren eigenen Körper, um Machtverhältnisse und Gewaltmechanismen offenzulegen.
Noch unmittelbarer wird es bei Ana Mendieta. Mit ihrer verstörenden Rape Scene und den späteren Silueta-Arbeiten verarbeitet sie Gewalt nicht als erzählte Geschichte, sondern als körperliche Erfahrung und bleibende Spur.
Den Abschluss bildet Barbara Krugers ikonisches Plakat Your Body is a Battleground. Das Werk entstand im Zusammenhang mit der Abtreibungsdebatte in den USA und zeigt, dass Gewalt gegen Frauen nicht nur körperlich, sondern auch politisch und gesellschaftlich ausgeübt wird.
Wir fragen uns ausserdem, welche Verantwortung Museen heute beim Umgang mit diesen Werken tragen. Reicht es, sie auszustellen, oder müssen sie stärker eingeordnet und kontextualisiert werden? Und wie verändert sich unser Blick auf alte Meister, wenn wir sie mit dem Wissen und den Wertvorstellungen der Gegenwart betrachten?
Besprochene Werke:
- Der Raub der Sabinerinnen, Nicolas Poussin, 1634/35, Metropolitan Museum of Art, New York
- Susanna im Bade, Jacopo Tintoretto, um 1555/56, Kunsthistorisches Museum, Wien
- Susanna und die Alten,_Artemisia_Gentileschi.jpg), Artemisia Gentileschi, 1610, Schloss Weissenstein, Bayern
- Leda und der Schwan, Correggio, um 1532, Gemäldegalerie Berlin
- Rhythm 0, Marina Abramović, 1974 (YouTube)
- Cut Piece, Yoko Ono, 1964 (YouTube)
- Rape Scene und Silueta Series, Ana Mendieta, ab 1973, Tate, London
- Your Body is a Battleground, Barbara Kruger, 1989, Los Angeles
Höre gerne in die Folge rein und schreib uns, wie du diese Werke heute betrachtest. Hat sich dein Blick auf bekannte Gemälde verändert? Wir freuen uns auf deine Gedanken und den Austausch mit dir.
Höre auch in die Folge #30 über die verdeckten Geschlechter in der Kunst rein:
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